In den meisten Artikeln und in der Literatur wird meist ein Emergency Fund oder auch Notgroschen von 3 bis 6 Monatsgehältern empfohlen. Dadurch soll beispielsweise eine Arbeitslosigkeit oder längere Krankheitsphase abgefangen werden. Ich sehe dies jedoch anders. Meiner Meinung nach kann ein optimaler Emergency Fund ruhig deutlich kleiner ausfallen. Warum?

Viele Artikel zu Personal Finance stammen aus den USA


Amerika ist bekanntermaßen das Land der Freiheit. Diese Freiheit bringt jedoch auch Risiken und größere persönliche Verantwortung für die Bürger mit sich: Verlieren sie ihren Job sind sie auf sich alleine gestellt, Krankenversicherungen sind nicht flächendeckend verbreitet, staatliche Rente gibt es nicht. Wenn einem in den USA ein Schicksalsschlag passiert, bedeutet dies meist in der Tat den finanziellen Ruin, daher brauchen Amerikaner einen Emergency Fund von mindestens 3 Monatsgehältern, um diese Zeit zu überstehen.

Doch was kann mir hier in Deutschland wirklich passieren? Verliere ich meinen Job, erhalte ich ein ganzes Jahr lang Arbeitslosengeld (ca. 60% des bisherigen Nettogehaltes). Das ist natürlich weniger als gewohnt, doch kann man sich ein paar Monate durchaus einschränken und die Lücken durch einen deutlich kleineren Notgroschen füllen.

In Deutschland verfüge ich selbstverständlich über eine Krankenversicherung, die alle wirklich medizinisch notwendigen Behandlungen abdeckt. Hierfür brauche ich also keinen Emergency Fund einplanen. Die einzige Ausnahme sind für mich die Zähne. Besonders im steigenden Alter kann man mehr oder weniger plötzlich vor einer großen Behandlung, wie etwa dem Einsetzen eines Implantates, stehen, was mehrere Tausend Euro kosten kann. Daher empfiehlt es sich, dem durch eine Zahnzusatzversicherung für wenige Euro im Monat präventiv entgegenzustehen.

Die berühmte kaputte Waschmaschine


Was könnte noch schlimmes passieren? Mein Auto könnte kaputt gehen. Da ich ein relativ neues Auto fahre, gehe ich nicht von großen Komplikationen aus, doch hier würde ich in etwa 1.500 Euro Emergency Fund zur Seite legen. Damit sollten alle gängigen Verschleißerscheinungen abgedeckt sein, zumal sie nicht alle gleichzeitig eintreten.

Tja, und dann gibt es noch den berühmten Fall der kaputten Waschmaschine, der so gerne zu dem Thema angebracht wird. Ich weiß ja nicht, wo so manche Berater einkaufen gehen oder ob sie einfach so weltfremd sind, aber eine Waschmaschine kostet in meiner Welt zwischen 350 und 800 Euro. Dafür muss ich nicht 3 bis 6 Monatsgehälter zur Seite legen.

Was ist mit Wohneigentümern und Familien?


Besitzt man ein Haus oder eine Wohnung, muss man die anfallenden Instandhaltungen logischerweise selber zahlen. Dazu gehören kleinere Reparaturen gleichermaßen wie große Umbauten wie z.B. neue Fenster oder eine neue Heizung. Heißt das Hausbesitzer benötigen einen weitaus größeren Emergency Fund? Nein. Denn die Rückstellungen für derartige Reparaturen sollten an anderer Stelle gebildet werden und Teil deines monatlichen Budgets sein. Für mich fällt dies nicht in die Kategorie Emergency Fund.

Auch Familien haben natürlich viel mehr Kostenpunkte als Singles, ich würde ihren Emergency Fund daher etwas höher ansetzen. Jedoch ist hier wieder genau zu analysieren, was wirklich ein "Notfall" ist. Dass in zwei Wochen eine Klassenfahrt ansteht und du dafür 300 Euro bezahlen musst ist kein Fall für den Emergency Fund. Diese Ausgabe solltest du seit Monaten eingeplant und separat dafür Geld zur Seite gelegt haben. 


Absehbare Kosten gehören nicht durch den Emergency Fund gedeckt


Die beiden Beispiele haben schon gezeigt, dass wirklich nur absolute Notfälle und Unvorhergesehenes durch deinen Emergency Fund bezahlt werden sollte. Nicht dazu gehören Dinge, die zwar außer der Reihe, also außerhalb deines monatlichen Budgetplans, zu bezahlen sind, aber absehbar waren, beispielsweise die fette Rechnung für die Kfz-Versicherung oder das teure Hochzeitsgeschenk für deine beste Freundin. Du weißt mit Abschluss der Versicherung, wann du welchen Betrag zu zahlen hast und bildest dafür monatlich Rückstellungen. Auch dass deine beste Freundin heiraten wird, weißt du mit Sicherheit seit Montane, daher legst du dir regelmäßig 20 Euro auf die Seite.

Optimale Höhe deines Emergency Funds


Die optimale Höhe deines Emergency Funds hängt letztendlich von dir ab. Mit welcher Summe fühlst du dich sicher!? In meiner konkreten Lebenssituation reicht mir ein Emergency Fund von 5.000 Euro aus (in meinem Fall etwa 1,7 Monatsgehälter). Auf diese Summe bin ich gekommen, da ich wie oben überlegt habe, was alles schief laufen könnte. Autoreparaturen und die kaputte Waschmaschine kann ich locker mit den 5.000 Euro bezahlen. Der eigentliche Grund, warum ich diese Summe gewählt habe, ist, dass ich damit einen eventuellen Umzug bezahlen könnte. Sollte ich meinen Job wechseln wollen oder müssen, oder sollte sich meine Lebenssituation aus anderen Gründen ändern, könnte ich jederzeit meine Sachen packen und in eine andere Stadt ziehen. Da ich erst vor kurzem umgezogen bin, weiß ich, dass diese Summe (knapp) ausreicht. Dazu werde ich euch demnächst einen separaten Artikel schreiben und hier verlinken.

Was sind eure Meinungen? Wie hoch sollte ein Emergency Fund sein? Und habt ihr euren bereits zusammen gespart?


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